Politgurke
Was glauben Sie wohl, was hier los war...
 

London

Nebel, 7 Grad Celsius, die Frisur hält. Ich bin auf dem Weg zu meiner Arbeit, welche irrsinnig weit von meinem zu Hause entfernt liegt. Ich laufe erst seit ein paar Minuten durch den Nieselregen, habe aber schon jetzt das Gefühl, Dank meiner neuen Sieben-Meilen-Stiefel, die ich wegen ihrer gewaltigen Sohlen so nenne, bereits recht weit gekommen zu sein. Es ist genau 09:00 Uhr, als die Stimme eines Sprechers der Kölner Verkehrsbetriebe aus den Lautsprechern hallt und wie man es hier in Köln gewohnt ist, Probleme mit dem Stellwerk bekannt gibt. Der Zug wird umgeleitet. Und wie üblich wird versucht, die unpassierbare Stelle zu umfahren. Weiträumig. Äusserst weiträumig. Heute sogar ganz besonders weiträumig. Ich werde ungeduldig und rufe alle paar Minuten auf der Arbeit an, um zu bescheiden, dass ich unterwegs bin und es nicht mehr lange dauern kann bis ich eintreffe.


Kuckuck!
Gruss aus London von Politgurke

Bedauerlicherweise muß ich aufgrund des schleppenden Vorankommens dann doch alle fünf Minuten die vorher gemachten Zeitangaben für mein geschätztes Eintreffen korrigieren. Nach ungefähr hundert Telefonaten mit dem Sekretariat meiner Arbeitsstelle und morbiden Verwünschungen von Seiten der zu Recht in den Telefonhörer genervt kreischenden Kollegin, lasse ich von weiteren fernmündlichen Berichterstattungen ab und twittere meinen Status kurzerhand vom Handy aus an alle Kollegen. Sofern jene mich abonniert haben sollten. Aber ausser meinem Chef, der stets wissen will wann, wo und ob ich arbeite, erreichen meine Mitteilungen niemanden. Als abzusehen ist, dass der Zug erneut einen längeren Halt machen wird, nehme ich mir vor, auszusteigen, um einen Becher Kaffee vom Kiosk zu holen. Als wir uns dem Bahnhof nähern schnüre ich meine Stiefel enger, betätige den Druckknopf der Zugtür und springe, als diese sich öffnet, über eine Pfütze, die, wie ich mir einbilde, mir direkt vor dem Wagon aufgelauert, aber nicht mit meiner Agilität gerechnet hat.

Und in genau jenem Augenblick geschieht es. Anstatt auf der anderen Seite der Pfütze zu landen fliege ich nicht nur über selbige sondern auch über den Bahnhofsvorplatz, über den Kiosk, den Rhein und, deutlich schneller als der Eurofighter hinter mir, weit bis über die Landesgrenze von NRW hinaus. Wie weit tatsächlich, das stelle ich bei der Landung fest. London! Ich bin entsetzt. Jetzt kann ich es unmöglich noch pünktlich zur Arbeit schaffen, denke ich für einige Sekunden. Da lese ich auf einem Schild, dass heute Mittwoch und Markttag vor Big Ben ist. Bei einem fliegenden Händler kaufe ich einen fliegenden Teppich und ohne grosse Umschweife mache ich mich mit demselben auf den Heimweg und schaffe es sogar noch rechtzeitig ins Büro, um zusammen mit meinen Kollegen pünktlich Feierabend machen zu können.

Was für ein Glück! Morgen fahre ich aber auf jeden Fall eine oder vielleicht sogar zwei Bahnen früher. Und die Stiefel tausche ich entweder um oder bringe sie meinem Freund, dem Kalifen. Was ich mit dem Teppich mache ? Den schenke ich meiner Freundin.

Sheherazade wird sich sicher darüber freuen!






Ein wunderschönes Gedicht





Und noch eines







Die Köln Mönchengladbach Hunsheim-Connection grüsst den Rest der Welt!